Lineal
Museum bei der Kaiserpfalz

Guck mal: die Menschen und ihre Welt!

100.000 Jahre Ingelheim zum Schauen, Suchen, Spaß haben

Idee und Konzept: Dr. Isabel Kappesser
Illustrationen: Michael Ruppel

Paläolithikum
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Das Mittelpaläolithikum / die mittlere Altsteinzeit (ca. 300.000 - 5.000 v. Chr.)

Die ersten Menschen, die wir anhand von Siedlungsbefunden im heutigen Stadtgebiet von Ingelheim nachweisen können, waren Neandertaler (Homo neanderthalensis). Diese Menschenform gilt evolutionsbiologisch als die engste Verwandte des anatomisch modernen Menschen. Sie lebte vor rund 400.000 Jahren in Europa und starb vor ca. 40.000 Jahren aus.

Als erfolgreiche Jäger und Sammler lebten sie ähnlich wie heutige Nomaden und wechselten auf der Suche nach Nahrung und Wasser häufig ihren Aufenthaltsort. In der Regel zogen sie den großen Tierherden hinterher, weshalb sie ihre Behausungen schnell auf- und wieder abbauen können mussten.

Die Neandertaler stellten als Werkzeuge Geräte aus Stein, etwa Faustkeile oder Messer, sowie aus Holz her. Mit diesen zerlegten sie die erbeuteten Tiere und verarbeiteten neben dem essbaren Fleisch alle übrigen Bestandteile weiter. So fertigten sie beispielsweise aus Knochen Ahlen und Nadeln, aus Fell Leder oder Kleidung und aus Sehnen robustes Nähgarn.

In Ingelheim befand sich eine paläolithische Jägerstation auf dem Plateau des Mainzer Berges. Wir kennen sie nur von Begehungen.

Neolithikum
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Das Neolithikum / die Jungsteinzeit (ca. 5.500 - 2.200 v. Chr.)

Im Gegensatz zu den Neandertalern der mittleren Altsteinzeit entsprach der Körperbau der Menschen – schon lange vor der jüngeren Steinzeit – demjenigen unserer heutigen Zeit. In der Jungsteinzeit gab es jedoch einen starken kulturellen Umbruch, der in engem Zusammenhang mit der Migration von Menschen stand. Diese Wanderungsbewegung begann etwa ab 10.000 v. Chr. im Nahen Osten (heutige Türkei, Syrien, Iran und Irak).

Die zugewanderten Menschen brachten eine ganz neue Kultur nach Mitteleuropa, wo bis dahin Jäger- und Sammlergesellschaften gelebt hatten: Sie züchteten Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine), betrieben Ackerbau und lebten längere Zeit an einem Ort. Die ersten Häuser waren langgestreckte Gebäude aus Holz, Lehm und Stroh, in denen Menschen und Tiere gemeinsam unterkamen. Die Werkzeuge dieser Zeit waren nach wie vor aus Stein, Holz oder anderen organischen Materialien gefertigt. Darüber hinaus stellten die Menschen nun auch Gefäße aus Ton her, die sie beispielsweise für die Vorratshaltung benötigten.

Im Gebiet von Ingelheim kennen wir Spuren mehrerer solcher neolithischer Siedlungen, etwa aus dem Ortsteil Wackernheim im Bereich »Große Hohl«, »Am Lornenberg« und »Katzenloch«.

Bronzezeit
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Die Urnenfelderkultur der späten Bronzezeit (1.300 - 800 v. Chr.)

Ein weiterer kultureller Umbruch erfolgte, als die Menschen das Wissen erlangten, Metall zu verarbeiten. Am Ende des 5. Jahrtausends und im frühen 4. Jahrtausend v. Chr. finden sich die ersten Kupferobjekte in Mitteleuropa. In den folgenden 2.000 Jahren verbreitete sich das Wissen um den Abbau, die Verhüttung und vor allem die Verarbeitung von Kupfer immer weiter. Ab etwa 2.200 v. Chr. setzte sich die Bronze, eine härtere Legierung aus Kupfer und Zinn, durch. Die folgende Zeitspanne (ca. 2200 - 800 v. Chr.) wird allgemein als Bronzezeit bezeichnet.

In der Region um Ingelheim gab es keine Kupfervorkommen. Die nächsten bedeutenden Lagerstätten befanden sich in den Ostalpen und auf den Britischen Inseln. Entsprechend hatten die Menschen in Rheinhessen nur über einen weitläufigen Handel Zugang zu den Metallressourcen, die sie unter anderem als Barren erwarben und weiterverarbeiteten.

Im Alltag waren die meisten Werkzeuge nun aus Bronze gefertigt. Daneben gab es natürlich weiterhin Gegenstände aus Holz, Knochen, Geweih und Horn sowie Keramik. Die Menschen im Ingelheimer Gebiet lebten in landwirtschaftlich ausgerichteten Siedlungen, die sich meist in hochwasserfreiem Areal befanden, jedoch in relativer Nähe zu Gewässern lagen. In einer solchen Ansiedlung lebten vermutlich nicht mehr als fünf bis acht Familien (ca. 50-80 Personen), deren Häuser aus Holz und Lehm in Bauart und Größe von ihrer jeweiligen Nutzung bestimmt wurden.

Ein bronzezeitlicher Siedlungsplatz befand sich im Gebiet von Ingelheim im Ortsteil Großwinternheim, östlich der Selz in leichter Hanglage zum Mainzer Berg.

Römerzeit
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Die römische Epoche (Ende 1. Jh. v. Chr. - 5. Jh. n. Chr.)

Schon im Zuge der Eroberung Galliens unter Iulius Caesar (100 - 44 v. Chr.), mit dem Rhein als östlicher Grenze des expandierenden Reiches, gelangte auch das Gebiet um Ingelheim unter römische Oberherrschaft. Ab 13/12 v. Chr. waren in Mainz (Mogontiacum) rund 12.000 römische Legionäre stationiert, deren Versorgung u. a. mit Getreide, Vieh, Obst und Gemüse auch vom Umland geleistet wurde.

Im weiteren Umfeld der Stadt Mainz entwickelten sich in römischer Zeit entlang wichtiger Straßen Siedlungen mit kleinstädtischem Charakter (vici). Die Häuser eines solchen vicus waren typischerweise lang und mit der schmalen Giebelseite zur Straße hin gebaut. Im vorderen Bereich befanden sich oft Läden oder Werkstätten, im hinteren Teil schloss sich der private Wohnbereich, meist mit Gartengrundstück, an. Ein solcher vicus ist auch für Nieder-Ingelheim in der Nähe des heutigen Winzerkellers nachgewiesen, sein Name ist jedoch nicht überliefert.

Die landwirtschaftliche Produktion wurde von römischen Landgütern, den sogenannten villae rusticae, geleistet. Diese erstreckten sich in regelmäßigem Abstand über das Land. Eine villa rustica bestand typischerweise aus einem Hauptgebäude und zugehörigen Wirtschaftsgebäuden wie Scheunen, Ställen und Werkstätten. Die Größe und die Ausstattung eines solchen Landguts hingen vom Wohlstand des Besitzers ab. Im heutigen Stadtgebiet von Ingelheim und seinem näheren Umfeld sind viele solcher villae rusticae bekannt, im Durchschnitt findet sich pro Quadratkilometer je eine.

Merowingerzeit
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Die merowingische Zeit im Frühmittelalter (spätes 5. - frühes 8. Jh. n. Chr.)

Nach dem Ende des weströmischen Kaisertums übernahmen germanische Machthaber die regionalen Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen. Im späten 5. Jahrhundert setzten sich am Rhein die Merowinger als Herrscher durch. Nach diesem fränkischen Königsgeschlecht wird die erste historische Epoche des Frühmittelalters im gallisch-germanischen Raum auch als Merowingerzeit bezeichnet. Chlodwig I. (um 482 - 511 n. Chr.) war der erste fränkische Herrscher, der zum Christentum übertrat und sich taufen ließ.

Trotz des Wandels im politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich legen archäologische Funde eine kontinuierliche Besiedlung der ehemals römischen Siedlungsgebiete nahe. Die Menschen lebten nun wieder in weilerartigen Siedlungen, oft in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer wie einem Bachlauf. In engem räumlichem Bezug dazu befanden sich die jeweiligen Gräberfelder einer Siedlung, die üblicherweise ost-west-orientiert und reihenhaft mit Körperbestattungen angelegt waren. Oft entstanden auf dem Land in Verbindung mit diesen Friedhöfen auch erste christliche Kirchen.

Eine solche Kirche innerhalb eines Gräberfeldes war der bislang älteste bekannte Ursprungsbau der heutigen Remigiuskirche in Nieder-Ingelheim. Es handelte sich um einen großen, aus Stein errichteten, dreischiffigen Kirchenbau mit einer Apsis im Osten. In einem gesonderten Anbau beherbergte diese Kirche in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts ein Baptisterium mit einem Becken für die Erwachsenentaufe.

Karolingerzeit
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Die karolingische Zeit im Frühmittelalter (frühes 8. - Ende 10. Jh. n. Chr.)

Die Herrscher des fortgeschrittenen Frühmittelalters regierten nicht von einer Hauptstadt aus, sondern zogen mit ihrem Gefolge durch das Reich. So konnten sie in allen Teilen des Reichs Präsenz zeigen, Recht sprechen und die Verwaltung organisieren. In karolingischer Zeit hielten sie sich dabei gerne in sogenannten Pfalzen (von lat. palatium = Palast) auf. Diese nutzten sie nicht nur als Unterkunft, sondern auch für Reichsversammlungen, Synoden und das Feiern hoher christlicher Feiertage. Diese Pfalzen lagen meist an verkehrsgünstigen Orten, so wie dies auch für Ingelheim mit seiner Lage am Rhein und wichtigen Fernstraßen der Fall war.

Unter Karl dem Großen (748 - 814 n. Chr.) wurde mit dem Bau einer solchen Pfalz in Ingelheim begonnen. Die Architektur dieser Anlage weist viele Bezüge zur Bauweise der römischen Antike auf. Darüber hinaus wurden bei der Errichtung der Pfalz viele ursprünglich römische Bausteine, wie etwa Säulen oder Kapitelle, umgearbeitet und erneut verwendet.

Der Bau einer solchen Pfalzanlage muss mit einer groß angelegten Baustelle einhergegangen sein, auf der die unterschiedlichsten Handwerker beschäftigt waren. Ein Elefant als Last- und Arbeitstier gehörte jedoch sicherlich nicht dazu. Er ist allerdings aus historischen Quellen als Geschenk des Kalifen Hārūn ar-Raschīd an Karl den Großen im Jahr 802 n. Chr. bekannt. Sein Name war Abul Abbas.

Stauferzeit
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Die staufische Zeit im Hochmittelalter (Mitte 11. - Mitte 13. Jh.)

Das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche System im Hochmittelalter basierte auf dem Prinzip des Lehnswesens und der Grundherrschaft: Der König oder Kaiser verlieh Ländereien an hochrangige Fürsten und Adlige. Im Gegenzug verpflichteten diese sich zu Loyalität gegenüber ihrem Lehensherrn, übernahmen Verwaltungsaufgaben und leisteten im Bedarfsfall militärische Unterstützung. Der Niederadel stand zumeist in fester Abhängigkeit zu hochadeligen Familien oder kirchlichen Herrschern. Auf der untersten gesellschaftlichen Ebene bewirtschafteten abhängige Bauern das Land ihrer Grundherren, für das sie Abgaben in Form von Naturalien oder Geld sowie unbezahlte Arbeit leisteten. Im Gegenzug erhielten sie Schutz und das Recht zur Nutzung des Landes.

Für den Ingelheimer Ortsteil Heidesheim ist ein Herr des Niederadels historisch überliefert: Herdegen von Winternheim errichtete spätestens im Jahr 1209 eine Niederungsburg, aus der die heute noch erhaltene Burg Windeck hervorging. Solche kleinen Befestigungen bestanden typischerweise aus einem massiven Turm und einer Schutzmauer, die ihn umgab. Oftmals befand sich vorgelagert ein Wassergraben, sodass der Wohnturm im Gefahrenfall auch als Rückzugsort dienen konnte. Diese Niederungsburg diente Herdegen von Winternheim sicherlich auch als repräsentatives Machtsymbol. Der dauerhafte Wohnsitz für den Adligen und seine Familie war jedoch wahrscheinlich der im unmittelbaren Umfeld der Burg gelegene Herrensitz mit entsprechenden Wirtschaftsgebäuden. In Heidesheim sind von diesem allerdings bislang noch keine archäologischen Spuren nachgewiesen.

Wenn ein Ritter wie Herdegen von Winternheim an einem Turnier teilnahm oder für seinen Lehnsherrn in einen Kampf zog, war er unter seiner Rüstung nicht mehr zu erkennen. Deshalb entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert die Wiedergabe von individuellen Symbolen als Erkennungszeichen auf Schilden, Helmen, Wämsen und Schabracken. Für Turniere wurden die Helme zudem mit aufwendigen Zierelementen versehen, um einen noch imposanteren Eindruck zu erzielen.

Neuzeit
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Der Dreißigjährige Krieg in der Frühen Neuzeit (1618 - 1648)

Anfang des 17. Jahrhunderts wuchsen in weiten Teilen Deutschlands religiöse und politische Spannungen, die sich im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1618 und 1648 entluden. Das zur Kurpfalz gehörende Ingelheimer Gebiet wurde von den Wirren des Krieges stark getroffen. Aufgrund seiner Lage am Rhein und der Nähe zu strategisch wichtigen Zentren wie Mainz lag es im Durchzugsbereich verschiedener Truppen. Es musste wiederholt militärische Besatzungen, Plünderungen und starke wirtschaftliche Einbußen hinnehmen.

Im Verlauf des Mittelalters hatte sich Ober-Ingelheim von einer fränkischen Gehöftsiedlung zu einem ansehnlichen Dorf entwickelt, in dem neben einfachen Bauern, Handwerkern und Händlern auch mehrere Adelsfamilien lebten. Ab dem 13. Jahrhundert war der romanische Vorgängerbau der späteren Burgkirche bereits mit einer wehrhaften Friedhofsmauer umgeben, deren Erweiterung als Befestigung um das gesamte Dorf im 15. Jahrhundert erfolgte. Aufgrund der sich verändernden Waffentechniken hatte diese Ortsbefestigung spätestens ab der Frühen Neuzeit jedoch eher einen repräsentativen Charakter und verlieh dem Dorf ein städtisches Aussehen.

Im Spätmittelalter ist für Ober-Ingelheim ein Ortsgericht belegt, welches mit den Ortsgerichten von Nieder-Ingelheim und Groß-Winternheim darüber hinaus ein überörtliches Reichsgericht (Oberhof) bildete. Letzterem oblag einerseits die regionale Gerichtsbarkeit, andererseits fungierte es als Auskunftsstelle für Privatpersonen und Gerichte in einem weiteren Umkreis. Die vom Ingelheimer Oberhof verhandelten Prozesse wurden schriftlich in Gerichtsbüchern festgehalten. Von diesen sogenannten Haderbüchern sind bis heute 19 Bücher und sechs Fragmente aus der Zeit zwischen 1387 und 1534 erhalten. Sie werden im Archiv der Stadt Ingelheim aufbewahrt.